KFV Verband Allgemein (934)
Erste gemeinsame Übung des neu strukturierten AC-Zuges Säureaustritt als Übungsszenario
geschrieben von FledererBERGRHEINFELD (HOF) Samstag, 16 Uhr - in Bergrheinfeld, Geldersheim und Werneck gehen Meldeempfänger und Sirenen an. Gemeldet wird der Austritt eines gefährlichen Stoffes im Problemmülllager der Firma NBS-Sulo im Bergrheinfelder Industriegebiet "Am Bahnhof". Menschenleben sind in Gefahr.
Etwa sieben Minuten nach dem Alarm sind die ersten Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr Bergrheinfeld vor Ort. Dann geht es Schlag auf Schlag: Den vier Bergrheinfelder Fahrzeugen folgen sieben aus Werneck sowie drei aus Geldersheim und dem Einsatzleitwagen der Unterstützungsgruppe Örtliche Einsatzleitung (UgÖEL) des Landkreises. Später wird noch die FF Grafenrheinfeld nachalarmiert.
Glücklicherweise handelte sich um ein Übungsszenario. Hier soll das Zusammenwirken der Einsatzkräfte des seit 1. Januar dieses Jahres umstrukturierten AC-Zuges geübt werden. Kreisbrandmeister Holger Strunk, Leiter des AC-Zuges, hat die Aufgaben verteilt: Die Dekon-Gruppe der FF Bergrheinfeld baut einen Dekontaminationsplatz mit Zelt auf. Unter Chemiekalienschutzanzug (CSA) dichten Feuerwehrleute aus Werneck das Leck im Säurebehälter ab. Am Atemschutzgerätewagen der FF Geldersheim sammeln sich die Geräteträger für schweren Atemschutz. Die AC-Erkunder Stadt und Land sammeln Messdaten über die mögliche Belastung der Luft durch Schadstoffe.
Währenddessen bauen zwei Gruppen eine Wasserwand auf, um den Säurenebel niederzuschlagen. Bei der UGÖEL gehen Messdaten und Wettermeldungen ein. Eine erste Einsatzbesprechung mit Lagemeldung findet statt. Ein Lautsprecherwagen der Feuerwehr informiert die Anwohner über mögliche Gefahren. Zwei Verletzte werden gerettet und nach deren Dekontamination den Maltesern aus Grafenrheinfeld übergeben.
Das Übungsszenario lässt bei den Bergrheinfelder Feuerwehrleuten schlechte Erinnerungen aufkommen. Im Jahr 1998 war bei der Firma NBS in der Sortieranlage illegal entsorgtes CS-Reizgas ausgetreten. 36 Personen wurden damals in die Klinik eingeliefert. Erst nach sechsstündigem Einsatz war die Ursache für diese Vergiftungserscheinungen gefunden worden.
Heute sind die Einsatzkräfte vorsichtiger: Schadstoffmessungen, Arbeiten unter Vollschutz und Dekontamination der eingesetzten Kräfte stehen im Vordergrund des Geschehens. Nach rund 100 Minuten ist die Übung zu Ende, eine Besprechung folgt. Insgesamt waren rund 120 Kräfte von Feuerwehr und Rettungsdienst mit 20 Fahrzeugen im Einsatz. Kreisbrandrat Georg Vollmuth lobte das engagierte Arbeiten der Einsatzkräfte. Und Kreisbrandmeister Holger Strunk erläuterte, diese Übung habe dem Kennenlernen und dem gemeinsamen Zusammenarbeiten gedient. Weitere gemeinsame Ausbildung werde folgen.
Ökumenischer Gottesdienst für Hilfs- und Rettungsorganisationen Zwei neue Notfallseelsorger feierlich ins Ehrenamt eingeführt
geschrieben von FledererBERGRHEINFELD (HOF) Bereits zum fünften Mal fand der Gottesdienst für alle Hilfs- und Rettungsorganisationen in Stadt und Landkreis Schweinfurt statt. Eingeladen hatte dazu das Team der Ökumenischen Notfallseelsorge und die Seelsorge in Feuerwehr und Rettungsdienst.
"Wer Zeit hat, bei dem stimmt etwas nicht. Keine Zeit zu haben ist in", begann Pfarrer Christian Peiser seine Predigt im festlich gestalteten Gottesdienst. Er warf dabei die Frage auf, was der Dienst am Nächsten einem persönlich bringe. In einer Gesellschaft, in der man in der Freizeit tut, was einem Spaß mache, ist hier das Engagement in Feuerwehr und Rettungsdienst überhaupt noch gefragt. Warum solle man sich bei Nacht und Nebel in gefährliche und belastende Situationen begeben, fragte er. Doch beim Dienst am Nächsten führe kein Weg vorbei. Dies bedeute gleichzeitig glaubwürdig zu sein in Wort und Tat.
Brücken schlagen zwischen der Kirche und den Rettungsorganisationen sei eine Aufgabe der Notfallseelsorger, betonte Pfarrer Hanjo von Wietersheim, Leiter der Arbeitsgemeinschaft Seelsorge in Feuerwehr und Rettungsdienst in Bayern, bei der Vorstellung der beiden neuen Notfallseelsorger, Pfarrer Andreas Heck und Diakon Thomas Weiß. Hilfe zu leisten für alle in Not geratene, ohne Unterschiede zu machen, sei das Selbstverständnis der Notfallseelsorge. Nach der anschließenden Einsegnung übergaben Hanjo von Wietersheim und Diakon Norbert Holzheid symbolische die Einsatzjacken an die neuen Notfallseelsorger.
Was sind die Aufgaben der Notfallseelsorge? Sie wendet sich an drei verschiedene Personengruppen. An primär Geschädigte, das sind Unfallopfer oder durch Notfälle direkt geschädigte Menschen. An sekundär Geschädigte, das sind unverletzt Beteiligte, Unfallzeugen oder Angehörige der primär Geschädigten. Die dritte Gruppe sind die Helfer. Hier gibt es seelsorgerischen Beistand für Angehörige der Hilfs- und Rettungsorganisationen, um ihre oft belastende Arbeit bewältigen zu können.
Kirchliche Seelsorger haben einige entscheidende Vorteile im Bereich der Notfallbetreuung: Sie genießen ein umfangreiches Zeugnisverweigerungsrecht, das sie als Gesprächspartner in schwierigen Situationen besonders prädestiniert. Im Einsatz haben kirchlichen Mitarbeiter keine anderen Aufgaben. Sie können sich ganz den jeweiligen Gesprächspartnern widmen.
Stellvertretender Landrat Paul Heuler sprach beim anschließenden Empfang im Pfarrheim dem Notfallseelsorgeteam im Namen des Landkreises seinen Dank für das große Engagement aus. Weiter wünschte er, dass die Retter von Unfällen verschont blieben. Diese Gemeinschaft solle sich weitertragen, denn nur so sei diese anspruchsvolle Arbeit zu bewältigen. Dieter Adam dankte im Namen der Stadt Schweinfurt. Hierbei betonte er, die Einsatzkräfte setzten sich aus sozialem Verständnis für andere ein. Bürgermeister Peter Neubert freute sich, dass dieser Gottesdienst in Bergrheinfeld stattgefunden hatte. Den Ehrenamtlichen dankte er für deren nicht selbstverständlichen Einsatz und lobte die Arbeit des Notfallseelsorgeteams.
Verabschiedet hat Diakon Norbert Holzheid aus dem Team der Notfallseelsorger Pastoralreferent Wolfgang Schöller, der jetzt in Bad Kissingen tätig ist. Für ihr zehnjähriges Wirken als Notfallseelsorger wurden die Gründungsmitglieder der Ökumenischen Notfallseelsorge Schweinfurt, Gottfried Schemm und Pfarrer Werner Kirchner, mit der Ehrenmedaille in Silber der Notfallseelsorge ausgezeichnet.
BAD BOCKLET Das wünscht man keinem: Als am Freitag um 17:55 Uhr in Bad Bocklet die Sirenen heulen, springen die Feuerwehrleute in ihre Autos. So auch jener 36-Jährige, dessen Fahrt zum Feuerwehrhaus tragisch endet. Er, der nicht weiß, dass es nur ein Übungseinsatz ist, erfasst mit seinem Renault Twingo mitten im Dorf einen Mann, den nicht nur er selbst, sondern fast jeder im Ort gut kennt: Walter Kunzmann. Der 71-jährige erliegt laut Polizeibericht noch am Freitag im Kissinger St. Elisabeth-Krankenhaus seinen schweren Verletzungen.
Das Auto habe ihn 18 Meter weit auf den Gehsteig geschleudert, berichtet die Polizeidirektion Würzburg. Über die Geschwindigkeit, mit der der 36-Jährige in der Tempo-30-Zone unterwegs war, schweigt sie sich aus. Er habe die Warnblinkanlage an seinem Auto eingeschaltet, teilt sie mit. Er und eine Unfallzeugin seien mit Schocks ins Krankenhaus gebracht worden.
Kunzmanns Bruder habe auf der anderen Straßenseite gestanden, als er die Straße überquerte und der Unfall passierte, hat Wolfgang Back erfahren. Als Bürgermeister und aktiver Feuerwehrmann hat auch er schwere Stunden hinter sich. Er begleitete die Ehefrau des 36-jährigen ins Krankenhaus und besuchte auch die Familie Kunzmanns. Und er war dabei, als Notfallseelsorger Wolfgang Schöller die Tragödie am Freitagabend noch mit den Bockleter Feuerwehrleuten aufzuarbeiten versuchte.
"Man findet keine Worte", so Back auf Anfrage. Ein Unfall wie dieser sei schlimm sowohl für den Feuerwehrmann als auch für die Familie des Getöteten. "Es hätte jeden treffen können", betont er. Und: "Vorwürfe haben hier keinen Platz."
Vorwürfe ("Die rasen doch immer!") hat Back dieser Tage des öfteren gehört, die ersten noch an der Unfallstelle, sagt er. Diese Kritik käme ausgerechnet von jenen, die sich selbst nirgendwo engagieren, wehrt er diese ab.
Wenn's zum Einsatz geht, werde Tempo 30 "natürlich nicht eingehalten", sagt er. Schließlich gehe es bisweilen um Minuten, wenn nicht Sekunden. Dennoch tragen auch Feuerwehrleute im Einsatz volle Verantwortung für Unfälle, die sie verursachen, erläutert Back und zitiert Kreisbrandrat Helmut Rittelmeier: Dergleichen habe er in seiner 18-jährigen Dienstzeit noch nie erlebt, habe ihm dieser gesagt.
Kunzmann war in Bad Bocklet bestens bekannt: Er war Gemeinderat und Feldgeschworener, engagierte sich als Landwirt für die Flurbereinigung; er war Jagdvorsteher, Ortsobmann beim Bayerischen Bauernverband, Mitglied bei der Feuerwehr und beim Gesangverein Liederkranz, Gründungsmitglied beim TSV Bad Bocklet, wo er in 25 Jahren 600 Fußballspiele bestritt. Seit 1997 leitete er die Geschicke der Kleingartenkolonie. Erst im Mai dieses Jahres hatte er den Obst- und Gartenbauverein gegründet und war als dessen Vorsitzender ganz stolz, als Bad Bocklet Ende September als Landkreissieger beim Wettbewerb "Lebendiges Grün in Stadt und Land" ausgezeichnet wurde. Um Kunzmann trauern seine Frau Maria, eine Tochter und ein Sohn sowie vier Enkel.
Die Übung war die einzige im Jahr, bei der die Aktiven nicht vorab informiert waren. Sie wurde abgeblasen. Der Ernstfall sorgte dafür, dass die Feuerwehrler nur die Straße sperrten. Einer der ihren versuchte, Kunzmann am Leben zu halten. Vergebens. Bei der Gedenkstunde zum Volkstrauertag gedachten die Bockleter auch des Unfallopfers. Das Stiftungsfest der Feuerwehr nächste Woche, so Kommandant Christian Horn, wird ohne Blasmusik gefeiert.
Beigesetzt werden soll Kunzmann voraussichtlich am Mittwoch um 14 Uhr. Dieser Termin ist jedoch am heutigen Montag noch zu bestätigen. Die Feuerwehr werde den Sarg zum Grab geleiten, erklärte Back. Die Familie Kunzmanns, so deutete er an, wolle mit dieser Entscheidung auch ein deutliches Zeichen setzen.
(Quelle: Main-Post vom 19.11.2006)
