KFV Verband Allgemein (932)
Unfallrettung ohne hydraulischen Rettungssatz
geschrieben von Weippert RalfBrebersdorf – "Verkehrsunfall mit Pkw", so lautete die Durchsage zum Übungsalarm im Zuge der Feuerwehraktionswoche 2014, zu dem die Freiwillige Feuerwehr aus Brebersdorf am Donnerstagabend um 19:11 Uhr alarmiert wurde. Die Freiwillige Feuerwehr Brebersdorf führte zunächst die Erstmaßnahmen "Verkehrsabsicherung", "Sicherung gegen Brandschutz", "Stabilisierung des Unfallfahrzeugs" und "Erkundung des Innenraums inkl. Patientenbetreuung" durch. Im Anschluss daran wurde der Patient aufgrund der verklemmten Fahrertür mit der Trage durch den Kofferraum aus dem Unfallfahrzeug gerettet.
Bei realen Schadensereignissen alarmiert die integrierte Leitstelle ILS grundsätzlich das am nächsten verfügbare Rettungsmittel. So kommt es nicht selten vor, dass auch Feuerwehren ohne umfangreiche Ausrüstung für die technische Hilfeleistung bei Verkehrsunfällen – wie in diesem Übungsszenario dargestellt – angefordert werden. Trifft die Feuerwehr als erstes an der Einsatzstelle an, übernimmt diese bis zum Eintreffen weiterer Kräfte dann die Erstmaßnahmen und leistet somit einen wichtigen Beitrag zum erfolgreichen und zeitoptimierten Abarbeiten der Schadenslage.
Bayerische Feuerwehren verzeichnen steigende Einsatzzahlen
geschrieben von m.k.
Über 20.000 Menschen bei 285.000 Einsätzen das Leben gerettet - Waren es vor zehn Jahren jährlich noch rund 190.000 Einsätze, so leisteten die bayerischen Feuerwehren im letzten Jahr insgesamt über 285.000 Einsätze. „Allein beim Hochwasser 2013 wurde in 21 Landkreisen Katastrophenalarm ausgelöst. Dabei leisteten über 3 Wochen hinweg rund 78.000 ehrenamtliche Feuerwehrmänner und -frauen an 24.900 Einsatzstellen über 930.000 ehrenamtliche Einsatzstunden. Das war der flächenmäßig größte Einsatz in der Geschichte der Bayerischen Feuerwehren!“, so Alfons Weinzierl, Vorsitzender des Landesfeuerwehrverbandes Bayern. Bei den 285.000 Alarmierungen 2013 sind das täglich fast 800 Einsätze zwischen Aschaffenburg und Passau und zwischen Hof und Lindau.
In Bayern sind 97 Prozent der Feuerwehren Freiwillige Feuerwehren, d.h. mehr als 320.000 ehrenamtliche Feuerwehrleute bei rund 7.700 Freiwilligen Feuerwehren rücken in ihrer Freizeit zu einem Alarm aus. Zur großen Zahl der Freiwilligen Feuerwehren kommen in Bayern noch die sieben Berufsfeuerwehren in den Großstädten Augsburg, Fürth, Ingolstadt, München, Nürnberg, Regensburg und Würzburg. Zu den Aufgaben der Feuerwehren zählt nicht nur das Löschen von Bränden, sondern auch eine immer weiter steigende Anzahl von technischen Hilfeleistungen. Die technische Hilfeleistung umfasst eine große Bandbreite von Aufgaben, wie beispielsweise die Tierrettung, die Bergung von Personen aus Unfallfahrzeugen, der Einsatz mit Gefahrstoffen oder bei Naturkatastrophen.
Zu folgenden Einsätzen wurden die bayerischen Feuerwehren in 2013 insgesamt alarmiert:
Brandeinsätze: ca. 20.100
Technische Hilfeleistung: ca. 141.000, davon First Responder-Einsätze: ca. 16.300
Rettungsdiensteinsätze: ca. 55.000
Freiwillige uns sonstige Hilfeleistung: ca. 5.100
Fehlalarme: ca. 22.000
Sicherheitswachen: ca. 42.500
(Quelle: Bayerisches Staatsministerium des Innern, für Bau und Verkehr)
Allein bei den über 20.000 Brandeinsätzen konnten im vergangenen Jahr durch die Feuerwehren 2.300 Menschen gerettet werden. Im Vergleich dazu gab es über 140.000 technische Hilfeleistungen, bei denen 10.800 Personen bei Verkehrsunfällen auf den bayerischen Straßen geholfen werden konnte. Zu den technischen Hilfeleistungen zählen auch First Responder-Einsätze, das sind Einsätze sanitäts- oder rettungsdienstlich ausgebildeter Feuerwehrleute, die den kurzen Zeitraum bis zum Eintreffen des Notarztes überbrücken und damit die Rettungskette sinnvoll ergänzen können, um dem Patienten schnellstmöglich Hilfe zukommen zu lassen. In Bayern gab es im letzten Jahr über 16.300 First-Responder-Einsätze, bei denen über 7.800 Personen durch die Feuerwehr geholfen werden konnte.
„Es waren über 20.000 Menschen im letzten Jahr, die ohne den Einsatz der bayerischen Feuerwehren vielleicht nicht mehr leben würden. Diese Zahlen sprechen für sich und die Notwendigkeit der finanziellen Unterstützung durch den Freistaat und die Kommunen. Denn nur mit einer optimalen Ausstattung können die Freiwilligen Feuerwehren diese große Zahl an Einsätzen absolvieren. Und eines darf man nicht außer Acht lassen: sie sichern mit ihrer unentgeltlichen Leistung ein ehrenamtliches System, das Leben rettet!“, so Weinzierl weiter.
21. Landesverbandsversammlung - Bund lässt Feuerwehren fallen – LFV Bayern richtet Forderungen an die Politik
geschrieben von m.k.
Auf der Landesverbandsversammlung des Landesfeuerwehrverbandes Bayern (LFV Bayern) am 20. September 2014 in Bad Kissingen informierte der Vorsitzende Alfons Weinzierl die über 300 Delegierten und Gäste über die umfangreiche Verbandsarbeit. Er machte dabei auch deutlich auf Probleme aufmerksam und leitete daraus klare Forderungen an die Landes- und Bundespolitik ab.
Weinzierl kritisierte dabei den Bund, der sich seiner Verantwortung im Katastrophen-schutz entzieht. So wurde der Bund in der Vergangenheitmehrfach aufgefordert, seiner Verpflichtung im Bevölkerungsschutzkonzept entsprechend den eigenen Vorgaben nachzukommen und die dafür erforderlichen Mittel von jährlich 57 Mio. Euro auf der Bundesebene bereit zu stellen.
Theoretisch stehen in Bayern 313 Bund Fahrzeuge wie Löschgruppenfahrzeuge, Schlauchwagen oder Dekontaminationsfahrzeuge zur Verfügung! Davon fehlen in Bayern derzeit jedoch 127 Fahrzeuge. 43 der vorhandenen Löschgruppenfahrzeuge sind 24 Jahre und älter und stehen also kurz vor der Ausmusterung!
Weinzierl: „es hilft den Feuerwehren wenig, wenn die Bundeskanzlerin im August und Bundespräsident Joachim Gauck erst kürzlich bei einer Veranstaltung mit den Ehrenamtlichen der Feuerwehren und der Hilfsorganisation das sicherheitsrelevante Ehrenamt überaus loben, auf der anderen Seite aber diesen Worten keine Taten folgen. Vor dem Hintergrund der geplanten Kürzungen durch den Bund scheinen dies nur leere Worte gewesen zu sein“.
Ein weiteres Hauptaugenmerk richtete Weinzierl auf die Einnahmen aus der Feuerschutzsteuer. Diese Einnahmen dürfen nur zweckgebunden für die Förderung des Brandschutzes eingesetzt werden. Der LFV Bayern forderte hier bereits seit längerer Zeit, dass die Freiwilligen Feuerwehren in Bayern eine höhere Förderung für den Kauf von Fahrzeugen und den Bau von Gerätehäusern erhalten. Besonders finanzschwache Kommunen brauchen mehr Geld vom Staat, um die gestiegenen Kosten für eine moderne Ausstattung der Freiwilligen Feuerwehren bezahlen zu können und nicht an anderen Stellen wie Kindergärten sparen zu müssen. Und das Geld dafür ist da. „Die Rücklagen sind in den letzten Jahren bereits auf 79 Millionen Euro angewachsen.“, so Vorsitzender Weinzierl. Umso mehr freute sich der Vorsitzende, dass mit Innenminister Herrmann ein Konsens über eine deutliche Anpassung der Fördersätze erreicht werden konnte. So wird der Der Freistaat Bayern künftig 6,5 Millionen Euro mehr für die Fahrzeug- und Gerätehausförderung bereitstellen.
Daneben ist ein Teil der Rücklagen aus der Feuerschutzsteuer für Infrastrukturmaßnahmen an den drei bayerischen Feuerwehrschulen in Regensburg, Geretsried und Würzburg gebunden. Die Mittel sind notwendig, damit der Unterricht den Anforderungen an eine moderne und effiziente Ausbildung gerecht werden kann. So benötigt die Feuerwehrschule in Geretsried dringend eine Übungshalle, deren Bau aber erst nach 2022 geplant ist. Um die optimalen Ausbildung bereits früher zur Verfügung zu stellen, schlägt der LFV Bayern eine „Vorfinanzierung“ aus dem allgemeinen Staatshaushalt vor, die dann aus der Feuerschutzsteuer zurückgezahlt werden würde. Eine Lösung, die der Ausbildung aber auch dem Freistaat Bayern selbst zu Gute kommt. Rechnet man in die zu erwartenden Kosten von ca. 30 Millionen Euro die jährliche Preissteigerung ein, so könnte der Freistaat Bayern durch einen früheren Baubeginn 5 bis 6 Millionen Euro einsparen.

Es gab auch viel Positives zu berichten: den bayerischen Feuerwehren wird ab 2015 ein mobiler Brandübungscontainer zur Verfügung gestellt, der für die einsatznahe und praktische Ausbildung von Atemschutzgeräteträgern unerlässlich ist. Der Freistaat Bayern finanziert dieses Projekt mit insgesamt 1,2 Millionen Euro und stellt damit vorerst für die nächsten vier Jahre die Ausbildung von über 7.000 Atemschutzgeräteträgern sicher. Im Ausbildungsbereich hob Weinzierl auch die Fortführung des Sondersignal-Fahrtrainers für die Ausbildung der Fahrzeugmaschinisten und ganz neu ab 2015 die Finanzierung einer Minischaumanlage durch die Versicherungskammer Bayern für jeden Kreis- und Stadtfeuerwehrverband hervor.
Auch die Fortführung der Kampagnen zur Mitgliedergewinnung, finanziert durch Mittel des Staatsministeriums des Innern, für Bau und Verkehr, ist gewährleistet. Mit der Kampagne 2015/16 wird der LFV Bayern gezielt um Mädchen und Frauen für die Freiwilligen Feuerwehr werben. Weiter konnte der LFV erreichen, dass jeder Feuerwehrdienstleistende für 40 Jahre aktiven Feuerwehrdienst einen Freiplatz für eine Woche im Feuerwehrerholungsheim in Bayerisch Gmain bekommt.
