Ölspur Richtung Reinhardshausen
Brand LKW ausserhalb von Ortschaften / BAB / Person in Gefahr
Technische Hilfe
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eingesetzte Kräfte
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Einsatzbericht
Aus der Mainpost:
Eine Schneise der Verwüstung
Gerolzhofen -Schweres Unwetter am FreitagabendEin Gewittersturm
wie in den Tropen entlud sich über dem Gerolzhöfer Stadtgebiet.
Die Feuerwehr war im Großeinsatz.Der vergangene Freitag war
ein ungewöhnlich schwüler Tag. Es war fast zu erwarten,
dass sich da einiges in der Atmosphäre zusammenbrauen würde.
Und tatsächlich: Die feuchte Hitze entlud sich gegen 17.30
Uhr in einem schweren Gewitter mit starken Regen und Hagelschlag
fast punktgenau über dem Gerolzhöfer Stadtgebiet. Das
Umland blieb bis auf Regenschauer von normaler Intensität von
dem Unwetter verschont.
In seiner Funktion als 1. Kommandant der Stützpunkt-Feuerwehr
Gerolzhofen berichtet Thomas Zink, dass es am Freitag etwa 40 Einsätze
für die Floriansjünger im Stadtgebiet gegeben habe. Zahlreiche
Keller liefen voll Wasser, Straßen wurden überflutet.
Die Feuerwehr war mit etwa 35 Leuten ab dem Alarm um 18.01 Uhr bis
weit nach Mitternacht im Dauereinsatz. Am Samstagmorgen gab es wieder
Alarm, weil Hausbesitzer Hilfe brauchten, um im Keller schwere Möbelstücke
umzulagern und vor dem Wasser in Sicherheit zu bringen.
Brisant war ein Einsatz in der Steingrabenstraße, zu dem die Feuerwehr am Freitag um 22.30 Uhr gerufen wurde. Hier war in einem kleinen historischen Gewölbekeller ein ungesicherter 600-Liter-Öltank aufgeschwommen und umgekippt. Etwa 400 Liter Heizöl liefen aus und vermischten sich mit dem von der Straße her eingedrungenen Wasser. Die Feuerwehrleute pumpten zuerst die restlichen 200 Liter Öl mit einer speziellen Gefahrstoffpumpe aus dem Tank ab. Dann wurde versucht, so weit wie möglich das ausgelaufene Öl mit Bindemitteln aufzunehmen. Der Kellerboden besteht in dem Anwesen nur aus gestampftem Lehm, deshalb wurde von der Polizei Gerolzhofen auch ein Vertreter des Wasserwirtschaftsamtes Bad Kissingen alarmiert, der sich vor Ort ein Bild vom Schaden machte. Eine akute Gefährdung des Gerolzhöfer Grundwassers bestand nach dessen erster Einschätzung nicht, weil der Lehmboden relativ gut abgedichtet erscheint.
Der Grund für die Überflutung zahlreicher Anwesen: Der starke Hagel häckselte regelrecht Bäume und Sträucher. Die grünen Blattfetzen wurden vom Sturm auf die Dächer geweht, von dort in die Gullys geschwemmt, wo sie in kurzer Zeit die Laubfangkörbe verstopften. Obenauf schichteten sich die Hagelkörner, die Gullys waren wie abgedichtet. Wasser quoll in hohen Fontänen aus den Hausanschlüssen, Kanaldeckel hoben sich, Wasser drang von der Straße aus durch die tiefgelegenen Fenster in die Keller ein.
Reiner Schmitt, Dienst habender Schaltmeister der unterfränkischen Überlandzentrale (ÜZ) in Lülsfeld, registrierte zwölf Blitzeinschläge auf Freileitungen im ÜZ-Bereich. 20 Minuten ohne Strom waren die Gemeinden Sulzheim und Alitzheim. Wahrscheinlich durch einen Blitzeinschlag wurde dort eine Leitung beschädigt, so Schmitt.
Nennenswerten Personenschaden scheint es aber nicht gegeben zu haben. Weder Polizei Gerolzhofen noch Rotes Kreuz melden einen unwetterbedingten Vorfall. Ein Anlieger aus der Steingrabenstraße berichtet allerdings, sein Enkel sei von einem Kinderfest in der Bleichstraße heimgekommen mit einigen kleinen Beulen am Kopf, weil der von den schweren Hagelkörnern getroffen worden war.
Der Kreisbauhof in Gerolzhofen vermeldete keine Schäden, so Norbert Müller. Glück hatten die Winzer. Im Weinberg sind wir vor Schäden verschont geblieben, erklärt Katharina König vom gleichnamigen Weinbaubetrieb in der Salzstraße. Draußen im Arlesgarten scheint es nicht gehagelt zu haben - genauso wenig wie im Neubaugebiet Weiße Marter. Mitten in der Stadt ging allerdings ein regelrechtes Bombardement an Eiskugeln nieder. Die Hagelkörner waren etwa zwei Zentimeter dick.
So manchem Gartenfreunde blutete das Herz, als er mit ansehen musste, wie Geranien, Männertreu oder Petunien in ihre Bestandteile zerlegt wurden. Katharina König: Unser Garten und der Hausweinstock wurde durch den Hagel völlig zerstört. Gerade von den Geranien blieb oft nur noch Stengel übrig. Großblättrige Zierpflanzen wie zum Beispiel die Canna wurden zerfetzt und durchlöchert. Tomatenpflanzen gleichen gehäckseltem Viehfutter.
Und wie sieht es in der Landwirtschaft aus? Beim Raps haben wir Schäden durch den Hagel, macht Alfred Weigand vom Lindenhof deutlich. Wie hoch dieser finanziell ist, kann er allerdings noch nicht beziffern.
Beim Gerolzhöfer Elektrogeschäft Zink läuteten am Samstagvormittag die Telefone oft. Vor allem Meldungen über Stromausfälle, bedingt durch eingedrungenes Wasser hatten wir dabei, so Thomas Zink. Teilweise waren aber auch Gerätedefekte der Grund des Anrufs, sagte Zink weiter. Der Notdienst der Firma war daher häufig unterwegs.
Jürgen Fehlbaum, Inhaber des gleichnamigen Elektrogeschäfts in Gerolzhofen, sagte am Samstagmittag in einer ersten Bilanz, dass seine Monteure zu etwa sechs ausgefallenen Telefonanlagen und fünf defekten Fernsehgeräten gerufen wurden. Ursache der Ausfälle seien hauptsächlich Wasserschäden durch überflutete Keller gewesen, weniger direkte Blitzeinschläge. Zudem seien drei oder vier elektrische Anlagen in Wohnhäusern ausgefallen. Von größeren Betrieben wurden uns keine Störungen gemeldet, da sind in der Regel Sicherungen gegen Überspannung eingebaut, sagte Fehlbaum. Für die Schwere des Gewitters, so Fehlbaum, sei der entstandene Schaden insgesamt vergleichsweise harmlos gewesen.
Gerolzhofen wird wegen seiner besonderen Lage von schweren Unwettern in der Regel verschont. Doch diesmal traf es fast nur die Stadt. In einer knappen halben Stunde wurden 36 Liter Niederschlag gemessen. Im nur drei Kilometer entfernten Frankenwinheim waren es gerade mal fünf Liter, in Handthal drei Liter.
